Auf den Spuren des Barocks

Schloß Manětín

Hinzugefügt 19. 7. 2016

Der heutigen barocken Form des Herrensitzes ging eine mittelalterliche Festung voraus, situiert in der nordwestlichen Ecke des heutigen Objekts. Die Familie Hrobčický von Hrobčice, die das Anwesen in Manětín im Jahre 1560 von den Švambergern erworben hatten, hatten sich im Gegensatz zu den früheren Besitzern dort auch niedergelassen.

Die Stadt wurde so zum Zentrum einer eigenständigen Herrschaft. Unter Jeronymus dem Jüngeren aus der Familie Hrobčický von Hrobčice (+1604), wurde die Festung kurz vor dem Jahre 1600 vergrößert und zum Schloss umgebaut. Das Herrenhaus belegte bereits damals  einen großen Teil der Grundfläche des heutigen Schlossareals einschließlich des Parks. Vom repräsentativen Charakter dieses Umbaus zeugen die Fragmente der gemalten Verzierungen der Fassade im Renaissance-Stil, die während der Rekonstruktion im Mai 1997 an der Nord-wand des Schlosses nahe der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers freigelegt wurde.

Nach der unruhigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges kam es im Jahre 1670 unter Karl Maximilian Lažanský (1658-1695) zu baulichen Umgestaltungen, die wohl als erste den Renaissance-Charakter des Gebäudes verwischten. Teilweise sind diese mit der Jahreszahl 1678 datiert, die sich auf dem Portal befindet, welches in den Wirtschaftshof führt.

Zu einem weiteren Umbau kam es dann unter Vaclav Josef Lažanský und seiner Frau Maria Gabriela nach dem großen Brand im Hochbarock im Jahre 1712. Dieser Brand hatte am 22. September das gesamte Stadtzentrum verschlungen. Er kam aus dem Haus Nr. 92, erfasste die Kirche von Johannes dem Täufer, die Schule, über die Hälfte der Stadthäuser und das Schloss, welches wahrscheinlich teilweise bewohnbar blieb. Die Obrigkeit begann bald darauf eine radikale Rekonstruktion. Nach den jüngsten bauhistorischen Erhebungen war Tomáš Hafenecker (1669-1730) der Architekt, dem Manětín die barocke Gestalt des Schlosses und der Kirche sowie die urbanistische Konzeption des Platzes zu verdanken hat.

Der anerkannte Fachmann und spätere kaiserliche Architekt, entwickelte das Projekt des Schlosses Manětín in den Jahren 1712-1715 und führte den Bau als versierter Architekt fast bis zum Ende bis er 1730 starb. Für die Arbeiten zur Umsetzung war dann sein Landsmann verantwortlich, Johann Georg Hess, ein Polier aus Reutte in Tirol, der zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts mit einer Gruppe von Maurern nach Manětín kam. Das Schloß wurde gegenüber dem bisherigen Zustand deutlich verbreitert. Es wurde ein langes, längsseitiges Etagengebäude in L-Form mit angrenzendem Wirtschaftshof gebaut, das die gesamte Südseite des Platzes bildete. Die längliche Fassade verfügt über 33 Fensterachsen und wird von drei Eingangsportalen unterteilt. Auf der westlichen Seite ist das Schloß durch einen überdachten Gang mit dem Oratorium der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers verbunden.

Der Charakter des Platzes änderte sich durch den barocken Umbau gänzlich. Die bisherige Senke wurde durch ein Trio von Hochterassen künstlich ausgeglichen, die mit Brunnen verziert waren, sowie durch Galerien, barocke Statuen, Statuengruppen und Vasen. Der Ausbau in den folgenden Jahrhunderten führte zur Entwicklung der Stadt entlang der Hauptstraße auf beiden Seiten, das Zentrum blieb jedoch ohne wesentliche Änderungen.

Das Schloss wurde im Jahr 1945 als Konfiskat den staatlichen Höfen und Wäldern zugeteilt. Es wurde Sitz der Direktion des Forstbetriebs und es befanden sich dort auch die Wohnun-gen von dessen Mitarbeitern. Im Jahr 1959 wurden der Schloßsaal und der Raum, in dem sich ursprünglich die Bibliothek befand, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, da dort von der Initiative „ Freundeskreis von Manětín“ eine Ausstellung des örtlichen Museums eröffnet wurde. Im Jahr 1962 kehrte dank der Führungspersönlichkeit des „Freundeskreises“, Vaclav Zalman, ein Teil des konfiszierten Schloßmobiliars nach Manětín zurück. Das Heimatkundliche Museum wurde Ende der 70er Jahre Bestandteil des Kreismu-seums in Maria Teinitz, die Exposition wurde nach und nach ergänzt und erweitert. Im Jahr 1988 übernahm das Kreismuseum auch das Schloßgebäude unter seine Verwaltung und begann mit dessen Restaurierung. Seit dem 1. Januar ist das Schloß Manětín mit dem Parkareal zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. Zur Zeit ist es in der Obhut des Nationalen Denkmalamts.  

Text: Mgr. Martina Matušková