Lebensstil

Berühmte Musiker auf dem Hof der Gräfin Marie Gabriela Lažanská

Hinzugefügt 19. 7. 2016

Der Ruhm der Musik ging in Manětín während der Herrschaft der Gräfin Maria Gabriela Lažanský, geborene Czernin von und zu Chudenitz, Hand in Hand mit anderen Künsten – der architektonischen, der malerischen und der bildhauerischen.

Zu keiner Zeit wirkten in Manětín so viele Künstler wie zu jener Zeit: der Baumeister Hess errichtete die Kirche und das Schloß, die Maler Brandla und nach ihm Bentum hinterließ hier unsterbliche Werke, die Bildhauer Borovec und nach seinem Tod Herscher verzierten die Kirchen und die Stadt mit wunderbaren Werken in Holz und Stein. Die Musik pflegten P. Mořic Vogt, der Kantor Jaroslav Planický und dessen Sohn Josef Antonín.

Josef Antonín Planický

entkam nicht dem Schicksal anderer Komponisten des böhmischen Barocks. Seiner Kunst leistete die böhmische Luft keine guten Dienste. Neunundzwanzigjährig verließ er Manětín und die Heimat und im Jahre 1722 landete er im bayerischen Freising in der bischöflichen Musikkapelle und feierte mit seinen Kompositionen seine Heimat als Bohemus Manetinen-sis. Dort endete auch am 12. November 1732 sein Leben in relativ jungen Jahren mit 43.

Marie Gabriela verlor den hoffnungsvollen Künstler nur ungern, wovon die Beurteilung zeugt, die sie ihm bei seinem Austritt aus dem Dienst im Schloß am 15. Dezember 1720 ausstellte und die im Bezirksarchiv in München erhalten geblieben ist. Darin schreibt sie, dass er über Jahre hinweg als Lehrer für ihre Kinder gedient hatte, wobei er sich so mustergültig verhalten hatte, dass sie ihn gerne weiterhin in ihren Diensten behalten hätte, wenn er nicht selbst um seine Freistellung gebeten hätte, um sein Glück anderswo zu suchen. Und dass sie ihn deshalb überall nur wärmstens empfehlen könne.

Auf seiner Studienreise auf den Spuren von Joseph Antonín Planický nach Manětín im Sommer 1933 notierte Professor Dr. Dr. Emil Trolda: "Ich denke, dass Töne im Universum nicht verlorengehen und die Zeit kommt, in der es möglich sein wird, sie zurückzurufen. Welcher Ruhm und welche Schönheit werden dann in Manětín lebendig! So, wie vor zwei Jahrhunderten von anderswoher verständigere Musikanten und Liebhaber guter Musik kamen, um die kunstvolle, laute und berühmte Manětíner Orgel zu hören und auszupro-bieren, so kommen dann Fachkundige, um die Erhabenheit der Manětíner Barockmusik zu bewundern und aufzunehmen, die damals so berühmt und erhaben Gott im Himmel huldigte und das Volk, welches guten Willens und edler Bemühungen war, bildete, erfreute und unterhielt.“ Ab dem Jahr 1917 hatte Maria Gabriela noch einen anderen Komponisten im Schloß. Vermutlich übte dieser auch nach dem Weggang des Kaplans Händl das Amt des Schloßkaplans aus. Es war ein berühmter Prager Benediktiner aus St. Nikolaus in der Altstadt.

P. Gunther Jacob

Es scheint, dass auch er die Kinder der Gräfin in Musik unterrichtete und vermutlich war er damit unbeabsichtigt der Anlass dafür, dass Planický Manětín verlassen hat. P. Jacob lernte vielleicht erst dort den Cousin der Gräfin, ein Czernin und großer Musikliebhaber, kennen und komponierte vermutlich direkt in Manětín im Jahre 1724 eine Sammlung von Meßkompositionen unter dem Titel „Acratismus pro honore Dei“, die er diesem widmete. Als er dort ausgedient hatte und am 30. Juni 1725 zum Heiligen Prokop an der Sasau fortging, spendete ihm die Gräfin diskret zusätzliche 15 Goldstücke. Ein Jahr vor seinem Weggang aus Manětín, ging Jacob aus Plasy fort.

P. Mořic Vogt

kam nach Maria Teinitz, wo er bis zu seinem Tod blieb, der ihn an jenem geliebten Ort am 17. August 1730 ereilte. Damals hielt er sich im Manětíner Schloß als Kaplan der Gräfin Maria Gabriela auf und ist so auf den großen Bildern der Beamtenschaft und Dienerschaft des Schloßes verewigt.

Von Týnice aus kehrte er kaum so oft in Manětín ein, aber die Gräfin versäumte es nicht, in Týnice vorbeizuschauen, wenn sie daran vorbeifuhr. Dort verbeugte sie sich vor der lieblichen Säule der Mutter Gottes, erinnerte sich sicherlich auch mit dem alternden Künstler und Wissenschaftler an frühere Zeiten und sie unterhielten sich gut über Musik und andere Künste. Vielleicht spürten sie, dass die Zeit des größten Ruhms der Manětíner Orgel zu Ende geht. Die Künstler hatten sich mit ihr schon vertraut gemacht, erfuhren dann von neuen Orgeln in anderen Kirchen und ihr Interesse an der Manětíner Orgel schwand. Im Jahr 1721 errichtete ein anderer Orgelbauer, Leopold Spiegel in Prag, eine neue Orgel in der Kirche St. Barbara, ebenfalls ein Meisterwerk und heute nach mehr als zwei Jahrhunderten besonders dafür gelobt, dass kein späterer Restaurator sie verdorben hat und sie sich in einem so originalen Zustand befindet, daß der Spielende mit dem Rücken zum Altar sitzt und die heilige Zeremonie im Spiegel verfolgt.

Ob Vogt auch diese herstellte und einweihte, wird nirgends berichtet. Bevor er die Berühmtheit der Manětíner Musik des 18. Jahrhunderts erreichte, weckte er sie noch einmal mit klarer Flamme der Begeisterung. Als im Jahr 1733 die Stelle das Kantors in der Schule frei wurde, stellte Maria Gabriela den sicherlich gut empfohlenen, vermutlich bereits renommierten Jan Josef Brixí an.

Jan Josef Brixí

Das Geschlecht der Brixí, das schon damals weit verzweigt war, war für seine große Musikkenntnis bekannt. Der neue Lehrer selbst war vermutlich einst ein Schüler des Klosters und Sänger, wo er sich rundum bildete und besonders im Gesang hervortat. Aber der Manětíner Protodekan Händl, der Nachfolger von Plešner, bezeichnet Brixí im Personenstandsregister als "eruditus, ingenuus, ornatissimus" (gebildet, erhaben, hochgeachtet). Er war bereits verheiratet und wurde auch hier mehrmals glücklicher Vater, am glücklichsten, als am 20. September 1738 eine ganze Prozession aus Schlossangehörigen, Taufpaten und Zeugen seinen kleinen Sohn Vaclav Norbert zum Taufbecken begleitete.

Obwohl sich weder der Schloßverwalter Kammerreith, noch der pensionierte Brauer Hurt, noch die Frau Chirurgin Braschová, und auch nicht die sehr vornehme, edle Kammerzofe Schieblová durch besondere musikalische Begabung hervortaten, wurde aus Norbert dennoch ein renommierter Musiker.

Als sein Vater nach dreizehnjährigem Wirken im Jahr 1746 die Manětíner Schule verließ,  gab er Norbert zur Ausbildung ins Konvent nach Plasy, dort trat der Schüler in den Orden ein und wurde im Jahr 1766 zum Priester geweiht. Sein Ordensname war Jeroným. Er wurde Komponist und Chorleiter in Plasy und 1781 Pfarrer in der Zisterzienserpfarrei in Planá, wo er im Jahr 1803 starb.

Marie Gabriela kannte in Prag vermutlich einen nahen Verwandten des Manětíner Kantors, Šimon Brixí, den Vater des später ebenfalls berühmten Komponisten František Vojtěch. Šimon selbst tat sich als Kantor und Organist bei St. Martin in Prag hervor. Im Jahr 1735 sandte ihm die Manětíner Fürstin als Geschenk ein kleines Faß Bier um zwei Zuber und zahlte 30 Kreuzer Akzise am Tor, somit belief sich das gesamte Geschenk auf 4 Goldstücke, 21 Kreuzer und 3 Groschen.

Dieser Brixí, ein gebürtiger Manětíner, schließt die Reihe der Manětíner Barockmusiker ehrenvoll ab.

(Nach der Arbeit des Dekans František Wonka)